Studio b3: Interview mit Paulina Blachura

 

Eins der schönsten Aspekte unserer Arbeit ist, dass man mit den Firmen und Designern einen so engen Kontakt pflegt und sich persönlich kennt. Es herrscht eine familiäre Stimmung, viele kennt man schon Jahrzehnte und es ist immer wieder schön sich auf den Messen zu treffen, sich auszutauschen und sich von den neuen Kollektionen begeistern zu lassen.

Deshalb kamen wir auf die Idee, kleine Interviews mit den Designern zu führen, um diese Ihnen ein wenig näher zu bringen und Ihnen zu zeigen, wer eigentlich genau hinter den Kollektionen steckt 🙂

Wir starten deshalb heute mit einem Interview mit Paulina Blachura, der Inhaberin und einer der zwei Designerinnen von Studio b3. Auf dem Foto sehen Sie sie zusammen mit ihrer Mutter, mit der sie die Kollektionen entwirft.

 


 

Was bedeutet für Dich die Farbe schwarz?

 

Vor ein paar Jahren kreierte ich das studio b3 Motto: „black is the only constant“ („Schwarz ist die einzige Konstante“). Es ist prominent positioniert in unserem Logo und vielen Prints unserer Kollektionen. Für mich ist Schwarz die Ideale „Farbe“, denn sie kann für alles stehen. Schwarz ist sehr zurückgenommen aber zugleich kraftvoll und selbstbewusst. Sie strahlt Ruhe aus und wird doch auch als rebellisch und laut wahrgenommen. Schwarz ist ein Klassiker und war immer die Farbe des Avantgarde. Sie ist einfach und zugleich komplex. Wenn du schwarz trägst kannst du dich in der Masse verstecken oder aus ihr hervorstechen. Schwarz ist die ultimative Essence von Style und somit immer eine gute Wahl für jede Gelegenheit.

 

Wie wurdest du Designer / was hast du gelernt?

 

Seit ich mich erinnern kann hatte ich schon immer viel mit Bekleidung zu tun, da meine Eltern auf den unterschiedlichsten Gebieten mit Mode zu tun hatten. Kollektionen wunderschöner handgestrickter Pullover, T-Shirts mit aufwändigen Drucken, in einer Zeit, wo diese in Polen nicht zu bekommen waren und später eine Marke für Kindermode. Jede freie Minute habe ich meinen Eltern geholfen und dabei, ohne mir dessen bewusst zu sein, eine Menge von meinen Eltern gelernt was „hinter den Kulissen“ der Modebranche passiert. Sie waren immer sehr kreativ, auch wenn man bedenkt, wie schwierig es war im postkommunistischen Polen an Stoffe zu kommen und Bekleidung herzustellen; Mode zu erschaffen war eine sehr große Herausforderung.

Nach der Hochschule studierte ich Modedesign in Krakau. Ich lernte viel über Zeichnungen und die Erstellung von Kollektionen, das war gut. Aber das Studium vermittelte viel über die künstlerische Seite und wenig darüber wie das Modegeschäft wirklich funktioniert. Diese Seite musste ich mir von meinen Eltern abschauen und in Jobs für diverse Bekleidungsfirmen lernen, bevor ich Studio b3 gegründet habe.

 

Was inspiriert dich?

 

Ich muss gestehen: ich hasse diese Frage 😉 Es ist üblicherweise die erste Frage die man einem Designer stellt. Die zweite Frage ist dann meist: Erzähl doch mal was im Trend ist in der nächsten Saison?“ 😉

Wenn ich darüber nachdenke, warum ich diese Frage hasse, liegt es daran, dass ich nicht weiß wie ich sie beantworten soll, denn Inspiration kann für mich aus allem kommen. Es beginnt im täglichen Leben, wo mich wirklich alles auf Ideen für ein Kleid, eine ganze Kollektion oder ein kleines Detail bringen kann. Ich habe bemerkt, dass mir oft während der trivialsten Beschäftigungen die besten Ideen zufliegen; wie Duschen, Autofahren oder in der Schlange stehen im Supermarkt. Natürlich hat jede Idee ihren Ursprung, auch wenn man ihn nicht mehr immer nachvollziehen kann.

Ich könnte also sagen, dass meine Inspiration in der Summe aller Filme und Ausstellungen, die ich gesehen – Orte, die ich besucht – Menschen, die ich getroffen habe liegt, welche dann in meinem Kopf bearbeitet und kombiniert werden.

 

Designst du alleine oder im Team?

 

Ich designe zusammen mit meiner Mutter. Genau genommen wurde studio b3 2008 mit meinen Eltern zusammen als Familienunternehmen gegründet. Heute kümmert sich mein Vater um die Fotos und meine Mutter und ich entwerfen die Designs. Am Anfang arbeitet dabei jeder für sich. Ab einem gewissen Punkt bringen wir die Ideen dann zusammen und arbeiten gemeinsam an den Entwürfen weiter. Normalerweise sind wir uns über die meisten Dinge einig, doch manchmal gibt es auch erbitterte Kämpfe über Proportionen, Details oder Farben :). Doch wir finden immer eine Lösung und so sind unsere Designs oft ein Kompromiss zwischen zwei Generationen von Frauen. Meiner Meinung nach verbindet sich dieser einzigartige Mix aus Ideen und Ansätzen zur Modeschöpfung in unseren Kollektionen.

 

Zeichnest du deine Entwürfe von Hand oder wird alles am Computer erstellt?

 

Ich entwerfe ausschließlich von Hand. für mich ist das viel persönlicher als mit dem Computer. Ich kann die Ideen viel besser „fühlen“, wenn ich mit Stift und Papier arbeite. Jedes Mal wünschte ich mir ich hätte genug Zeit um vernünftige, perfekt ausgearbeitete, polierte Zeichnungen von allen Designs anzufertigen. Aber die Realität sieht anders aus. Alle Ideen die tatsächlich zu Kleidungsstücken der Kollektion werden sind und bleiben Skizzen.

Einer meiner Lehrer sagte immer: „Papier ist geduldig“ und das ist wahr. Jeder Entwurf sieht auf dem Blatt super aus und verspricht auch exakt so zu funktionieren. Der Kampf beginnt aber genau dann, wenn man beginnt die Idee vom Papier in die Realität zu übersetzen. Das ist der Grund warum ich mich nicht lange mit den Entwürfen aufhalte. Wenn ich die Form, die Proportionen und die wichtigsten Details festgehalten habe, starte ich sofort mit der Erstellung eines 1:1 Prototypen.

 

Was, außer Mode, würdest du gerne mal entwerfen oder hast du bereits entworfen?

 

Wenn ich keine Mode erschaffen würde, wäre ich gerne Köchin. Ich liebe es zu Kochen. Meiner Meinung nach ist es Kunst. Es geht nicht nur um Nahrungsaufnahme, es ist das Ganze. Die Idee und die Planung, was man zubereiten möchte und die Suche nach neuen Geschmäcken, ist ein riesiges Feld zum experimentieren. Der Prozess des Kochens oder des backens unterliegt gewissen Regeln, die man kennen sollte, damit man sie auch mal brechen kann. Und am Ende entsteht das Ergebnis aus dem Geschmack und der Präsentation. Da ich aber genau so gerne und viel esse wie ich koche und mir deshalb zu viele Gedanken um meine „Linie“ machen würde, bleibe ich bei der Mode.

 

Liebe Paulina, vielen Dank für das tolle Interview mit dir 🙂

 

• Die neue Studio b3 Kollektion •

 

 

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Guten Abend Familie Hertel, eine super Idee mit den Interviews, Ich bin fasziniert von Studio B3 und Rundholz und habe es mit Begeisterung gelesen. Danke ;)))) lieben Gruß. Silke Hühren

Liebe Frau Hühren, vielen lieben Dank für das tolle Feedback, das freut uns sehr 🙂 Lg Nina Hertel-Bohn

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